Was sind die Symptome?
Die mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen beschriebenen Krankheitsbilder sind komplex und zeigen stark variierende Symptome bei betroffenen Kindern. Die hier aufgeführten Symptome können darum nur einen Einblick geben. Eine zuverlässige Diagnose erfordert immer eine interdisziplinäre Abklärung durch spezialisierte Fachärzte verschiedener Fachrichtungen.
Bei Kindern und Jugendlichen
- Wachstumsauffälligkeiten: Kinder mit FASD sind oft deutlich kleiner und leichter als Gleichaltrige – das kann sich schon bei der Geburt durch ein geringes Geburtsgewicht zeigen oder sich im Laufe des Aufwachsens fortsetzen.
- Auffällige Gesichtsmerkmale: Bei der Untersuchung wird besonders auf drei Merkmale im Gesicht geachtet: sehr kurze Lidspalten der Augen, eine auffallend schmale Oberlippe und eine verstrichene, flache Rinne zwischen Nase und Mund (Philtrum).
- Fehlbildungen des Körpers: Neben sichtbaren Merkmalen im Gesicht kann der Alkohol im Mutterleib auch bleibende Schäden an den inneren Organen (wie Herz und Nieren) oder am Knochengerüst verursachen.
Auffälligkeiten des Gehirns und Alltagsverhalten
- Globale Lern- und Intelligenzminderung: Die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit kann eingeschränkt sein, was sich im Schulalltag durch Lernschwierigkeiten oder eine allgemeine Entwicklungsverzögerung bemerkbar macht.
- Eingeschränkte Alltagsplanung (Exekutivfunktionen): Es fällt den Kindern mitunter schwer, eigene Handlungen vorauszudenken, den Alltag selbstständig zu strukturieren oder logische Ursache-Wirkung-Zusammenhänge zu verstehen.
- Soziale und emotionale Probleme: Das Verhalten in einer Gruppe ist oft nicht altersgemäß; die Kinder können schnell in Konflikte geraten, Gefahren nicht richtig einschätzen, sind vertrauensvoll und dadurch durch andere verführbar.
Bei Erwachsenen
- Verblassen äußerer Merkmale: Die typischen Gesichtsveränderungen (wie die schmale Oberlippe oder das flache Philtrum) verwachsen sich häufig im Laufe der Jahre. Das erschwert eine körperliche Erkennung und Diagnosestellung im Erwachsenenalter.
- Ausgeprägte Gutgläubigkeit und Naivität: Erwachsene mit FASD können die Absichten anderer Menschen oft nicht richtig deuten. Sie können deshalb in Situationen geraten, in denen sie von kriminellen oder ausbeuterischen Personen ausgenutzt werden. Menschen mit FASD geraten ohne böse Absicht mit dem Gesetz in Konflikt. Klassische Strafen wie Geldstrafen oder Haft zeigen hierbei oft keine präventive Wirkung, da die logische Verknüpfung im Gehirn fehlt.
- Hohes Risiko für Folgeerkrankungen: Da das Gehirn dauerhaft unter Stress steht, entwickeln sich im Erwachsenenalter sehr häufig psychische Begleiterkrankungen. Typisch sind schwere Depressionen, Ängste, Impulskontrollstörungen sowie ein stark erhöhtes Risiko für eigene Suchterkrankungen.
- Notwendigkeit lebenslanger Begleitung: Ein komplett autonomes, selbstständiges Leben gelingt nur wenigen Betroffenen. Die große Mehrheit benötigt auch als Erwachsene eine dauerhafte rechtliche Betreuung, engmaschige Supervision oder das Leben in betreuten Wohnformen.
Weitere Informationen
- Zur Website des FASD Deutschland e.V.
- Zum Download von »FETALE ALKOHOLSPEKTRUMSTÖRUNGEN bei Kindern und Jugendlichen Informationen für Eltern/Bezugspersonen«
- Zum Download einer Adressliste Sozialpädiatrischer Zentren mit FASD Diagnostik nach S3-Leitlinie, Quelle: Kompetenzzentrum in Bayern