Modellprojekt »Familienbildung in Kooperation mit Kindertageseinrichtungen«
Wissenschaftliche Begleitforschung. Abschlußbericht, hrsg. v. Lehrstuhl für Erwachsenenpädagogik der Universität Leipzig, Leipzig 2004
Auf der Basis der erhobenen Daten und der gewonnenen Wahrnehmungen hat die wissenschaftliche Begleitforschung in ihrem Bericht abschließend festgehalten, dass es nicht den einen Weg für das Vorhaben »Familienbildung in Kooperation mit Kindertageseinrichtungen« gibt. Je nach Trägerprofil, Kompetenzen und Bedürfnissen der beteiligten Personen und Institution können unterschiedliche Wege und Umsetzungsmöglichkeiten gefunden werden, die den jeweiligen Bedingungen und Erfordernissen angepasst sind. Im Kern konnten die drei wesentlichen Arbeitsbereiche der Koordinatorinnen:
- Unterstützung und Weiterentwicklung der Elternarbeit,
- Vernetzung und
- Qualifizierung von Fachpersonal
an allen Standorten wiedergefunden werden.
Im Landesmodellprojekt hat sich gezeigt, dass durch diese neue Zusammenarbeit von Trägern der Familienbildung und Kindertageseinrichtungen Eltern aller Bildungsschichten Lernchancen eröffnet und damit auch Kompetenzzuwächse ermöglicht werden.
Die Bereitschaft der Kindertageseinrichtungen, sich für diese neue Aufgabe und auch Herausforderung zu öffnen, die Eltern als kompetente Partner in der Erziehung der Kinder anzusehen, ihnen die eigene pädagogische Arbeit transparent zu machen und sie darin einzubinden, ist nach unserer Auffassung, die wichtigste Voraussetzung. Die zweite wesentliche Voraussetzung liegt in der Fähigkeit der Träger der Familienbildung, den Kindertageseinrichtungen bei dieser Aufgabe ein verlässlicher und fachlich kompetenter Partner zu sein, der sie unterstützt, ihnen Impulse und Anregungen gibt und den Erzieherinnen die Möglichkeit bietet, ihr professionelles berufliches Verständnis um die Arbeit mit Erwachsenen zu erweitern.
Bereits in der Eingangserhebung hatte sich abgezeichnet, dass in den Kindertageseinrichtungen vielfältige Ansätze von Angeboten und Aktivitäten für Eltern vorhanden sind. Diese wurden gemeinsam von den Koordinatorinnen und Erzieherinnen aufgegriffen, weiterentwickelt und durch neue Formen und Inhalte ergänzt. Dabei eignen sich niederschwellige Angebote (z. B. Feste und Feierlichkeiten) besonders gut, um einen ersten Zugang zu den Eltern zu gewinnen. Im Weiteren werden dann klassische Angebotsformen (z. B. Vorträge und Gesprächskreise) wie auch neue Formen des Lernens (z. B. selbstorganisierte Treffs) von den Eltern aller Bildungsschichten angenommen. Wesentlich dabei ist, dass die Erzieherinnen die Eltern persönlich ansprechen und die Kindertageseinrichtung sich den Eltern öffnet.
Die durchgeführten Angebote und bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten für Eltern in Kindertageseinrichtungen haben bei den befragten Eltern zu einer nachweisbaren Stärkung der elterlichen Kompetenz geführt, die auch von einigen interviewten Erzieherinnen und Leiterinnen wahrgenommen wurde.
Es wurde somit deutlich, dass die Kooperation tragfähig und für beide Seiten gewinnbringend ist. Die Familienbildung erfährt über die Kindertageseinrichtungen einen neuen, erfolgversprechenden Zugang zu bisher bildungsfernen Familien und die Kindertageseinrichtungen erfahren Unterstützung in ihrer täglichen Arbeit von Seiten der Eltern und der Träger der Familienbildung. Die bisherige Elternarbeit wird ergänzt, erweitert und qualitativ verbessert.
Dass die Kindertageseinrichtungen zu einem Lernort nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern werden, ist das zentrale Ergebnis der zurückliegenden dreijährigen Arbeit. Auf Grund der vorliegenden Ergebnisse, empfiehlt es sich, diesen Ansatz weiter zu verfolgen und im Land weiter zu verbreiten. Dabei wäre es aus unserer Sicht wenig sinnvoll, dies als einen eigenen, zusätzlichen Auftrag an die Kindertageseinrichtungen heranzutragen. Es sollte unseres Erachtens, im Sinne der Nachhaltigkeit und Transferierbarkeit, überlegt werden, inwieweit dieses Vorhaben in den Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen und in die laufende Qualitätsentwicklung integrierbar ist. Denn die Ergebnisse dieser Arbeit sind unserer Meinung nach eng mit den inhaltlichen Anliegen beider Offensiven verbunden und in Ansätzen bereits darin verankert.
