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Häusliche Gewalt/Gewalt in familiären Beziehungen

Bei häuslicher Gewalt handelt es sich um Gewalttaten zwischen Erwachsenen in bestehenden, sich auflösenden oder aufgelösten Partnerschaften, die in der Regel über einen längeren Zeitraum wiederholt ausgeübt werden. Sie umfasst auch Gewalt zwischen erwachsenen Menschen, die in einem Angehörigenverhältnis zueinander stehen und/oder in einem Haushalt zusammenleben (zum Beispiel gegenüber älteren Menschen). Dabei ist der Ort des Geschehens unerheblich.

Davon abzugrenzen ist Gewalt in der Familie. Sie bezeichnet alle Formen von Gewalt sowie seelischen Übergriffen beziehungsweise Eingriffen, die dem Wohl des minderjährigen Kindes und seiner geistigen und körperlichen Entwicklung entgegen stehen.

Erst seit einigen Jahren ist per Gesetz (§ 1631 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) geregelt, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben und bei missbräuchlicher Ausübung der elterlichen Sorge [...] sowie fehlender Motivation der Eltern, Hilfe und Unterstützung zur Erziehung ihrer Kinder anzunehmen, das Familiengericht entsprechende Maßnahmen einleiten muss (§ 1666 BGB).

Häusliche Gewalt wird überwiegend von Männern gegenüber Frauen ausgeübt, meist im vermeintlichen Schutzraum des eigenen »zu Hause«. Darüber hinaus findet auch Gewalt von Frauen gegen Männer oder unter gleichgeschlechtlichen Partnern statt.

Gewalt im häuslichen Bereich verletzt mit ihren oft schweren körperlichen und psychischen Folgen das menschliche Sicherheitsbedürfnis in seinem Kernbereich. Insbesondere für Kinder als Zeugen oder direkt Betroffene bleibt Gewalt in der Familie nicht ohne Folgen für die seelische und körperliche Gesundheit.

Jährlich flüchten in Deutschland über 40.000 Frauen mit ihren Kindern - davon circa 700 im Freistaat Sachsen - vor den Misshandlungen ihrer Ehemänner, Lebenspartner oder Familienangehörigen in Frauen- und Kinderschutzhäuser oder Zufluchtswohnungen. Der repräsentativen Studie »Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland« (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2004) zufolge haben 25 Prozent der befragten Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Die Dunkelziffer der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und Kinder ist jedoch weitaus höher.

Eine Vielzahl der Fälle häuslicher Gewalt steht in Verbindung mit Handlungen, die unter dem Begriff »Stalking« zusammengefasst werden. Dazu gehören alle Arten von Nachstellung, die in erster Linie psychischer Gewalt zuzuordnen sind.

Der gesellschaftliche Umgang mit häuslicher Gewalt hat sich verändert: Gewalt wird heute nicht mehr als Privatsache abgetan, sondern zunehmend von Justiz, Polizei, Gesundheitswese und Verwaltung als ernste Herausforderung verstanden und entsprechend behandelt. 

Der Freistaat Sachsen setzt bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt im sozialen Bereich auf ein Netz aus verschiedenen Hilfs- und Unterstützungseinrichtungen. Diese Einrichtungen bieten Opfern und Tätern im Kontext häuslicher Gewalt aufeinander abgestimmte Hilfen.

Rechtliche Grundlage - § 238 StGB und § 112a StPO.